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D-München Messestadt Riem, 4. Bauabschnitt Wohnen
Der neue Stadtteil spricht in seiner städtebaulichen Struktur eine eindeutige Sprache mit einer einfachen Grammatik. Klare Gebäudekonturen, Erschließungsprinzipen und Freiraumbezüge beherrschen die Stadtstruktur und sind in ein landschaftlich geprägtes Umfeld eingebettet. Mit dem vierten und letzten Baustein im Masterplan Messestadt Riem gilt es nun das städtebauliche Basisgerüst und die Maßstäblichkeit fortzuschreiben.

Der Entwurf versteht unter dem Begriff ´Urbanität´ nicht eine klare, baulich gefasst Struktur, sondern auch einen aneignungs- und interpretationsfähigen Raum. Urbanität definiert sich auch aus zufälligen Begegnungen und Kontakten und braucht damit eine präzise Abstufung von großen, öffentlichen Räumen und kleinen Orten, von Wegen und Durchwegungen.

Raumqualitäten
Für den vierten Bauabschnitt der Messestadt Riem zeigt der Entwurf ein differenziertes Bild aus wechselnden Stadträumen und Durchblicken auf den umliegenden Landschaftraum. Der zentrale Platzraum bietet in einer durchgehenden Gestaltungs- sprache sich weitende Plätze, aber auch ´kleine Orte´. Die nördliche Aufweitung schafft Raum für einen Quartierplatz, der südliche Platz zeigt sich als ´grüner Anger´. In Ergänzung zum Charakter der Grünzüge entstehen hier öffentliche Plätze mit hoher Spiel- und Aufenthaltsqualität. Die öffentlichen Funktionen ´weiten´ die Nord-Süd gerichtete Erschließungsstraße zu einem Raum auf und schaffen so eine zentrale Begegnungsfläche mit unterschiedlichen Interpretationsoptionen und Aneignungs- fähigkeiten.

Die Wegebeziehungen aus dem städtebaulichen Konzeptplan Riem wurden im vierten Bauabschnitt aufgenommen und in dessen Struktur berücksichtigt. Die Ost-West gerichteten Erschließungselemente ´Oslo-Straße´ und ´Stockholm-Straße´ werden in ihrem bestehenden Profil im Norden bis zum zentralen Raum und im Süden über den zentralen Raum hinweg bis zum Kopfbau der Tribüne fortgeführt.

Die einzelnen Wohnhöfe sind über Wohnwege miteinander verbunden. Sie übernehmen einerseits Erschließungsfunktionen für die Wohnhöfe/Quartiersinseln, bilden aber auch immer ein ´Fenster´ in die umliegende Landschaft. Ergänzt wird das Freiraumsystem um kleine Wege, die über die Innenhöfe der Wohnhöfe führen und überwiegend privat genutzt werden. Im Zusammenspiel ergibt sich ein fein gewobenes Netz aus öffentlichen Räumen, Wegen und Nutzungsbereichen. Wünschenswert sind in den zentralen Bereichen ergänzende Nutzungen wie ein kleines Quartierscafé oder eine Bäckerei.

Da es sich um einen begrenzten Planungsraum handelt, schlagen wir vor, den Straßenraum in Anlehnung an das Prinzip des „Shared-Space“ auszubilden. Die Grundkonzeption des „Shared-Space“ sieht vor, dass die Ausgestaltung des öffentlichen Raums so gestaltet wird, dass es nicht zu Priorisierung einzelner Verkehrsteilnehmer kommt. In der Konsequenz verlangsamt sich der Verkehr und die ganze Reihe von Verkehrsschildern, Bordsteinkanten und Barrieren können eingespart werden. Möglichkeiten zum Kurzzeitparken sind unter den seitlich angeordneten Baumreihen im öffentlichen Raum angeordnet.

Wohnhöfe
Um den zentralen Raum herum formieren sich insgesamt 12 Wohnhöfe. Das Prinzip der Wohnhöfe schafft es, eine über- schaubare und vertraute Nachbarschaft zu bilden. Jeder Wohnhof basiert auf einem einfachen Grundmuster und besteht in der Regel aus einem Geschosswohnungsbau, aus ein bis zwei Stadthäusern und aus zwei Ketten von Reihenhäusern. Entsprechend der Lage des Wohnhofs im Quartiersgrundriss wird dieses Grundmuster an die sich verändernden Rahmen- bedingungen angepasst. Die jeweilige Position der Haustypen im Wohnhof leitet sich aus der Lage zum öffentlichen, bzw. privaten Raum, aus der möglichen Erschließungssystematik und der Sonnenausrichtung ab. Die Unterschiedlichkeit wird mit einer jeweils individuellen Baumart im Inneren der Wohnhöfe unterstrichen.

Die Wohnhöfe bestehen aus einzelnen Hausgruppen, die sich wiederum aus einer Reihe von modularen Haustypen zusammensetzen. Die privaten Freiräume sind leicht erhöht in die Innenbereiche der Wohnhöfe integriert worden und besitzen jedoch mit Treppenstufen und Rampen eine halböffentliche Übergangszone an den Rändern der Wohnhöfe. Nahezu jede Erdgeschosswohnung erhält einen privaten Gartenanteil, die Wohnungen in den Obergeschossen besitzen alle entweder Terrassen, Balkone oder Loggien. Unterhalb jedes Wohnhofes befindet sich eine Tiefgarage, die vom zentralen Raum angefahren wird.

Integration
Die übergeordneten Vorgaben des städtebaulichen Konzeptplans Messestadt Riem werden im vierten Bauabschnitt fortgeführt. Der großmaßstäbliche Edinburghplatz erhält durch eine erhöhte Geschossigkeit eine kräftige Fassung. In diesem Bereich und im Bereich des zentralen Raumes finden sich auch die Mehrzahl der Geschosswohnungen. Durch das Prinzip der Wohnhöfe ist jedoch eine starke Durchmischung von groß- und kleinteiligen Gebäuden gesichert. Für Spiel und Aufenthalt entsteht ein dichtes und abwechslungsreiches Netzwerk, dass über zahlreiche Fuß- und verkehrsberuhigte Wohnwege verbunden ist: Kleinkinder- spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten für die Älteren innerhalb der Wohnhöfe, zwei Quartiersplätze mit Aufenthaltsangeboten für Jung und Alt, sowie Spiel- und Treffpunkte im Grünfinger bieten Möglichkeiten verschiedenster Charaktere für alle Altersgruppen. Der Grünfinger wird räumlich im Sinne der bisherigen Gestaltung mit Kirschbaumreihen weiterentwickelt. Das Wegenetz verbindet die kleinen Plätzen mit den anschließenden Wohnquartieren.

Die vorgegebene Nord-Süd orientierte Erschließung erfährt durch die Aufweitung des Straßenraumes zu einer kontinuierlichen Raumfolge eine qualitative Aufwertung. Durch die Ausbildung von Wohnhof/Quartiersinsel entsteht eine abwechslungsreiche Rhythmik aus bebauten Raumkanten und freien Gassen.

In Zusammenarbeit mit lohrer.hochrein landschaftsarchitekten, München

PROJEKTDATEN
Auftraggeber
Landeshauptstadt München, vertreten durch Maßnahme- träger München-Riem GmbH (MRG)

Planungs- und Bauzeit
Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb 2008, 1. Preis
Bebauungsplan 2009-2010
Gestaltungskonzept 2009-2010
Freiflächenrahmenplan 2011

Größe
10 Hektar, BGF: 78.000 qm

Mitarbeiter
Manuel Hauer, Till Hoinkis, Ulrich Hundsdörfer, Sabine Kovacs, Markus Lang, Marcel Piethan, Jörg Schatzmann

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